25.12.2020: Warum wir Märchen lieben.

Wer kennt sie nicht, die traurigen-schönen Weihnachtsgeschichten des Pfarrers am Weihnachtsabend. Immer mit Tränen, Ungerechtigkeit und unverhofftem Glück zum freudigen Happy-End. Ja, was wäre Weihnachten ohne Hoffnung auf Gerechtigkeit, Frieden und Glück? Nichts! Und getreu der christlichen Lehre, erfolgt die Wende zum Guten, fast immer durch die Läuterung, Umkehr und Reue eines Bösewichts. Wie wohltuend sich Weihnachten doch vom Alltag unterscheidet. Das Gute triumphiert, das Böse geht unter. Eine Welt, wie wir sie uns wünschen.

Aus bitterer Erfahrung nennen wir solche Geschichten Märchen. Erfundene, unwahre Geschichten. Eng mit dem Märchen verwandt ist die Lüge, denn auch diese ist frei erfunden. Gemeinsam wollen sie uns einen Bären aufbinden und uns etwas Glauben machen, was nicht wirklich ist. Sie manipulieren uns. Und trotzdem gibt es einen grossen Unterschied. Während uns Märchen in der Regel Hoffnung machen (das Gute besiegt das Böse) oder belehren (wenn du Böses tust, wirst du büssen), will uns die Lüge ausschliesslich in die Irre führen. So lieben wir in der Regel Märchen und hassen die Lüge.

Leider sind die Beiden nicht immer klar zu unterscheiden. Wenn uns Hoffnung verkauft wird, wo es keine gibt, ist es zwar ein schönes Märchen aber eine Lüge. Es zählt also die Absicht, mit der uns etwas erzählt wird. Sprich: Wem nützt die Geschichte? Mir oder dem Erzähler? Dies herauszufinden ist nicht immer leicht. Umso grösser unsere Enttäuschung, wenn wir dahinter kommen.

Weihnachten sind voll von solchen Geschichten. Die wohl bekannteste und schönste, die Weihnachtsgeschichte selbst, die damit endet, dass uns der Heiland geboren wird. Sie ist sozusagen die Vorlage für alle schönen Märchen – Hoffnung. Hoffnung auf Besserung, Erlösung (von was auch immer), Frieden und ein gutes Leben. Alte uneingelöste Menschheitsträume. Wer könnte da dagegen sein?

In Krisenzeiten sind wir in besonderem Masse auf Besserung abonniert. Im Gegensatz zu den Märchen, wo die Rettung sozusagen per Zufall vom Himmel fällt, sind wir für das Heilen aber selber zuständig. Sei es die Solidarität mit den Schwächsten, das tragen von Masken oder sich impfen lassen – es liegt allein an uns, ob sich etwas zum Guten wendet. Das ist anstrengend. Und deshalb mögen wir Märchen. Dort retten uns irgendwelche Engel und Prinzen. Eintauchen in solche Märchen ist Weihnachten. An Weihnachten haben wir Zeit um uns zu besinnen und Kraft zu tanken. Märchen gehören dazu – sie geben uns „Hoffnung“. Die Hoffnung, dass wir die Kraft haben, das zu ändern, was wir ändern können und müssen.

Ich danke allen, die meinen Blog lesen und mich immer wieder ermuntern weiter zu machen. Ich wünsche allen schöne Festtage und ein besseres neues Jahr. Wer will, liest mich.

Erich

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