12.05.2020: Ominipräsenz

Wieder ist mein Versuch, das Virus zu verdrängen gescheitert. Zu omnipräsent ist diese Seuche, bzw die Reaktionen darauf. Trotzdem versuche ich diese Woche den Blick etwas in eine andere Richtung zu richten. Das omnipräsente Gejammere und die Nabelschau der #Covidioten gehen mir ziemlich auf den Geist. Es gibt wahrhaft ernstere Themen und Herausforderungen, als das Verbot von Open Aires, Abstandsregeln oder geschlossene Läden. Schluss mit der Omnipräsenz dieser jämmerlichen Egoisten.

2020 – ein Virus

Woche für Woche nehme ich mir vor, mich von diesem omnipräsenten Virus zu verabschieden und über andere, ebenso wichtige Vorkommnisse und Denkwürdigkeiten zu schreiben. Und wie letzte Woche, scheitere ich damit auch diese Woche grandios. Das Virus lässt nicht locker.

Nicht weil dieser plötzlich noch ansteckender oder gefährlicher wäre als bisher gedacht, umso mehr aber geben mir die Reaktionen darauf Grund zur Sorge. Dominierte am Anfang noch die Angst vor einer möglichen Ansteckung oder Fragen zum Lockdown und dem eigenen Verhalten, so beherrschen seit ein paar Wochen Irrsinn, bis hin zu pathologischem Wahnsinn die Szene. In Presse, Feuilletons, Youtube und der Strasse manifestiert sich ein Gebräu, dass noch vor ein paar Wochen unvorstellbar war. Vom Impfgegner bis zum gröhlenden Wutbürger mit Hakenkreuz rotten sich Menschen zusammen, die ihrem Frust über die Einschränkungen freien Lauf lassen. Auch wenn es nur eine Minderheit ist, – so ist diese laut und findet Eingang in die Berichterstattung – und somit in unsere Wohnstuben. Das Virus schleicht sich langsam in unsere Köpfe.

Es liegt mir fern ins allgemeine Gejammere über diese Krise und ihe Folgen einzustimmen. Dafür haben wir die $VP und den Gewerbeverband. Ebenso wenig über das Gejohle dieser selbsternannten Epidemie-Experten und Hobby-Virologen. Irrationales Verhalten gehört wohl zu einer solchen Krise und lässt sich nicht ganz vermeiden. Bedenklich ist vielmehr, dass wir ob diesem Geschrei und Gejammer vergessen, was uns wirklich Sorgen machen sollte. Seien wir mal ehrlich – hier in der Schweiz muss sich niemand wirklich ernsthafte existentielle Sorgen machen. (mag jetzt arrogant klingen, ist aber so). Vielleicht ist der eine oder andere Zukunftsplan Makulatur – das ist gemein, aber kein Weltuntergang, man macht einfach etwas anderes. Vielleicht verlier ich meinen Job – ebenfalls hart und ungerecht, aber ich bin über Kurzabrbeitsentschädigung und RAV abgesichert. Vielleicht gerät mein Geschäft in finanzielle Schieflage – das ist unschön, aber ich bekomme Notkredite und falls ich pleite gehe, suche ich mir einen Job. Ich muss Ferien umbuchen, kann nicht nach Thailand, die Hochzeit fällt ins Wasser und Open Airs gibt es auch keine diesen Sommer – blöd, aber es lässt sich alles nacholen. Was „wir“ treiben ist also eine Nabelschau – auf allerhöchstem Niveau.

Was ist mit den Millionen indischer Wanderarbeiter, die hungern, weil sie ihre Arbeit wegen des Lockdowns, verloren? Was mit den südafrikanischen Slumbewohnern, die lieber an Covid sterben, als an Hunger? Den Bewohnern der brasilianischen Favelas, die täglich um ihr Überleben kämpfen müssen, den Flüchtlingen in Moria (Griechenland) und und? Im Gegensatz zu diesen Menschen können wir uns diese Krise leisten – sie sterben daran. Diese Menschen hätten tatsächlich Grund gegen die Massnahmen ihrer Regierungen zu protestieren. Wir Mitteleuropäer beweisen damit einzig unsere Lächerlichkeit und unseren grenzenlosen Egoismus.

Noch mehr Sorgen sollten wir uns allerding über all das machen, was aus den Schlagzeilen verschwunden oder nach hinten gerutscht ist. Covid ist eine Krankheit gegen die wir irgendwann immun sind, ein Medikament oder einen Impfstoff haben werden. Also ein temporäres Problem (wenn wir auch noch nicht genau wissen wie lange und was es uns am Ende kostet). Die wirtschaftlichen Schäden sind enorm, zumindest für uns in Europa aber zahlbar (durch wen, muss noch ausgefochten werden). Wer in den Nachrichten aber nicht nur die fetten Schlagzeilen verfolgt, wird schnell fündig, über unsere wirklichen Probleme und Herausforderungen. Drohender Wassermangel in den Alpen (ETH Hydrologe), Riesige Waldbrände in Sibirien und im Amazonas (ja, schon wieder!), Wärmster Winter seit Messbeginn, CO2-Gehalt nahe 420 ppm, Grundwasser in 12 Kantonen mit Pestiziedrückständen belastet.– Krebsgefahr vermutet…usw. Stattdessen suhlen wir in „unserem Elend“, suche imaginäre Schuldige und schwafeln von Dingen, von denen wir keine Ahnung haben (Diktatur). Um es mit den Worten Loriots zusagen: In der Krise suchen die Intelligenten nach Lösungen, die Idioten nach Schuldigen. Covid-19 trennt die Spreu vom Weizen.

Seit erst drei Wochen haben wir festen Boden unter den Füssen aber es scheint als wanke dieser mehr als die Magnifica im Sturm der Tasmanischen See. Gegen diesen gab es Reisetabletten. Gegen die Omnipräsenz der egoistischen Wutbürger ist sowenig ein Kraut, wie gegen Covid-19 gewachsen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s